Kolik beim Pferd durch Fütterung vorbeugen

Kolik beim Pferd - Ursachen & Behandlung

Kolik beim Pferd - Ursachen und welche Behandlung sinnvoll ist

Einfluss der Fütterung auf die Darmtätigkeit

Wenn man von einer Kolik spricht schrillen bei jedem Pferdebesitzer sofort die Alarmglocken, denn Koliken gehören zu den schwerwiegendsten gesundheitlichen Problemen beim Pferd, da sie häufig eine klinische Behandlung erforderlich machen und in einigen Fällen sogar tödlich verlaufen können. Verschiedene Faktoren können zur Entstehung einer Kolik beitragen. Beim Auftreten entsprechender Symptome ist die unverzügliche Konsultation eines Tierarztes der erste und wichtigste Schritt.
Die Kolik ist kein eigenständiges Krankheitsbild, sondern ein Sammelbegriff für abdominale Schmerzen bei Pferden. Die Ursachen hierfür sind sehr unterschiedlich.

Der Begriff „Kolik“ fasst unterschiedliche Erkrankungen von Magen und Darm zusammen und geht auf das lateinische Wort „Colon“ (Darm, insbesondere Dickdarm) zurück. Er beschreibt alle Zustände, bei denen Pferde auffälliges Verhalten zeigen und Anzeichen von Unwohlsein aufweisen.

Kolik beim Pferd - Welche Ursachen 

Eine Kolik ist eine allgemeine Bezeichnung für starke abdominale (= Bauch-) Beschwerden beim Pferd. Es ist kein einzelnes Krankheitsbild, sondern ein Krankheitssyndrom, das verschiedene Ursachen haben kann. Dazu zählen:

Verdauungsstörungen:

Diese sind häufig durch Fütterungsfehler verursacht, etwa abrupte Futterumstellungen, zu große Futterportionen, geringer Rohfaseranteil oder unzureichendes Tränkmanagement.

Verstopfungen:

Diese können durch eingetrockneten Kot, Sand, Parasiten, Haarknäuel oder andere Fremdkörper hervorgerufen werden. 

Entzündungen:

Entzündungen des Darms, Magens oder anderer Bauchorgane können ebenfalls kolikartige Schmerzen verursachen.

Drehungen und Verlagerungen des Darms:

In einigen Fällen können sich Teile des Darms verdrehen oder verlagern und dadurch die Durchblutung hemmen. 
Stress: Auch psychischer Stress kann kolikartige Symptome hervorrufen.

Schwachstelle Pferde Darm

Die Anfälligkeit der Pferde für Kolik liegt in dem empfindlichen Verdauungstrakt. Pferde besitzen nur einen kleinen Magen, einen sehr langen Dünndarm und einen voluminösen Dickdarm. Hinzu kommt die große Gärkammer, der Blinddarm in der rechten Flankengegend. Dieser große mit vielen Windungen bestehende Verdauungstrakt birgt einige Gefahrenquellen. Der Pferdemagen fasst nur etwa 10 Liter, ein Pferd kann bei Störungen nicht erbrechen. Kommt es hier zur Überladung des Magen kann dieser im schlimmsten Fall auch reißen. Der Dünndarm mit seinen 20 – 30 Meter Länge kann sich schnell verdrehen und verklemmen.

Besonderheit Dickdarm der Pferde

Bei Pferden gilt der Dickdarm als besonders anfällig, da der größte Anteil der Blinddarm ist. Der Dickdarm liegt zum größten Teil schwebend in der Bauchhöhle und ist in alle Richtungen drehbar. Erschwerend kommt hinzu, dass durch die Position andere Organe und Schnittstellen im Bauchraum die Stabilität des Dickdarms gemindert wird. Durch dessen Anatomie ist der Verdauungstrakt der Pferde für Störungen anfällig und eine Kolik kann jederzeit entstehen.

Kolik bei Pferden – Symptome erkennen

Jeder Pferdebesitzer sollte die Symptome einer Kolik bei seinem Pferd erkennen können. Eines Vorwegs die meisten Koliken sind von leichter Natur und schnell lösbar. Bei schweren Symptomen wie Kreislaufschwäche, Stöhnen des Pferdes sowie ein schweres Krankheitsbild muss unbedingt ein Tierarzt hinzugezogen werden. Gleiches gilt, wenn sich leichte Kolik Symptome durch Selbstbehandlung innerhalb von 30 Minuten nicht verbessern oder sich wiederholen.

Doch Vorsicht:
Die Kolik verläuft oft in Schüben mit Besserungsphasen, das bedeutet aber nicht, dass die Kolik vorbei ist. Das Pferd kann weiterhin in Lebensgefahr schweben und muss unbedingt auch nach Besserung einige Stunden beobachtet werden.

Symptome können sein:

Leichte Kolik beim Pferd

Unter einer leichten Kolik versteht man wenn das Pferd folgende Symptome zeigt:

  • Unruhe, flehmen, Hufe scharren, Bauch sehen oder mit dem Maul zum Bauch schlagen
  • Kein Kotabsatz
  • Immer wieder kurzes hinlegen und aufstehen

Diese Anzeichen können sich bei Fortschreiten der Kolik verschlimmern.

Schwere Kolik beim Pferd

  • Schwitzen, schnelles schweres Atmen, hoher Puls
  • Geblähter Bauch
  • Wildes Wälzen
  • hinlegen, nicht mehr aufstehen
  • Schwäche
  • Fieber

Kolik bei Pferden – Erste Maßnahmen bei einer Kolik

Wenn der Verdacht auf Kolik besteht, sollten alle Futtermittel auch Stroh entfernt werden. Der Tierarzt wird am Telefon den Zustand des Pferdes erfragen, Temperatur und Puls des Pferdes sollten vorher geprüft werden. Als Erstmaßnahme bis zum eintreffen des Tierarztes ist eine langsame Bewegung des Pferdes sinnvoll, dass entspannt den Darm. Ist die Kolik schon weit Fortgeschritten, sodass das Pferd sich nicht bewegen möchte, darf es auf keinen Fall gezwungen werden.

Kolik Arten beim Pferd

Was sind häufige Ursachen für Pferde Koliken?“

Ursachen können sein: plötzliche Futterumstellungen, mangelhafte Futterqualität (z. B. verschimmeltes Heu), unzureichende Wasseraufnahme, Bewegungsmangel, Stress, hoher Parasitenbefall oder Fehlgärungen im Magen‑Darm-Bereich.

Gaskolik bei Pferden

ist eine häufige Form der Koliken und kann durch vermehrte Futteraufnahme entstehen. Zum Beispiel durch zu viel Klee, Silage oder mit Pilzen und Bakterien verkeimte Futtermittel.

Verstopfungskolik bei Pferden

kommen durch eine verminderte Wasseraufnahme der Pferde zustande. Der Inhalt des Darms ist zu trocken, um problemlos ausgeschieden zu werden. Eine zu große Menge an Raufutter (Stroh) oder zu schnelles Fressen können eine Ursache sein. Aber auch Parasiten und Bewegungsmangel führen zur Verstopfungskolik beim Pferd.

Sandkolik bei Pferden

enden oft in einem Darmverschluss. Der häufigste Grund für Sandkoliken sind falsche Haltungsbedingungen und Fütterungsmethoden. Sandkoliken entstehen bei Pferden die zu lange auf stark abgefressenen Weiden oder Sandausläufen stehen, ohne Gelegenheit zur Stroh oder Heu Aufnahme. Auch bei der Bodenfütterung von Rauhfutter ist die Aufnahme von Sand sehr hoch. Der angesammelte Sand kann nicht ausgeschieden werden, es kommt zum Darmverschluss. 

Krampfkolik bei Pferden

kann man mit den drei Monatskoliken bei Babys vergleichen. Das Pferd leidet unter schubweisen Darmkrämpfen, die sehr schmerzhaft sein können. Die Krampfkoliken bei Pferden entstehen oft durch Stress, Fütterungsfehler, Wetterumschwung oder starken Wurmbefall.

Darmverdrehung und Darmverschluss bei Pferden

ist die schlimmste Form der Kolik und Rettung besteht nur durch eine Operation des Pferdes. Jede Art von Kolik kann in einem Darmverschluss enden.

Was du bei einer Kolik tun kannst bis der Tierarzt kommt?

Sobald du Anzeichen einer Kolik bemerkst (z. B. Unruhe, Wälzen, Futterverweigerung, Schwitzen, Scharren), gilt: sofort den Tierarzt verständigen! Koliken können harmlos verlaufen, aber auch lebensbedrohlich sein – schnelles Handeln ist entscheidend.

Erste Maßnahmen bis der Tierarzt eintrifft:

  • Ruhe bewahren – dein Verhalten überträgt sich auf das Pferd.
  • Pferd bewegen – falls Kreislauf und Zustand es zulassen, ruhig Schritt führen. Das kann Blähungen lösen und vom Wälzen ablenken.
  • Wälzen verhindern – wenn möglich und sicher, sanft davon abhalten. Starkes Wälzen kann eine Darmverschlingung begünstigen.
  • Kein Futter oder Wasser anbieten – der Verdauungstrakt ist belastet und darf nicht zusätzlich beansprucht werden.
  • Beobachten und dokumentieren – notiere, wie oft sich das Pferd hinlegt, ob Kot abgesetzt wird, wie es atmet, ob es schwitzt. Diese Infos helfen dem Tierarzt.
  • Nicht alleine lassen – bleibe beim Pferd, um es zu beobachten und bei Bedarf einzugreifen.

Wichtig: Keine Medikamente, Öle oder Hausmittel ohne tierärztliche Rücksprache geben! Selbst vermeintlich harmlose Mittel können die Situation verschlechtern oder wichtige Symptome verdecken.

Behandlung von Kolik durch den Tierarzt

Die Therapie einer Kolik richtet sich nach der Ursache, dem Schweregrad und dem Allgemeinzustand des Pferdes. Zunächst wird der Tierarzt den Kreislauf und die Vitalparameter überwachen, um eine schnelle Stabilisierung zu gewährleisten. Bei leichten Koliken können Schmerzmittel (Analgetika, z. B. Flunixin) und krampflösende Medikamente eingesetzt werden, begleitet von vorsichtiger Bewegung, um die Darmmotilität zu fördern. In schwereren Fällen oder bei Anzeichen von Darmverschlingungen, Verstopfungen oder Ischämien kann eine chirurgische Intervention notwendig werden. Begleitend sind Flüssigkeits- und Elektrolytsubstitution zur Stabilisierung des Stoffwechsels und zur Vermeidung von Dehydration essenziell. Eine gezielte Nachsorge, inklusive Anpassung der Fütterung und Beobachtung auf erneute Koliksymptome, ist entscheidend, um Rezidive zu vermeiden.

Kolik beim Pferd vorbeugen: Fütterung, Kräuter und Hausmittel

Wie kann man die Vorbeugung aussehen?

Vorbeugende Maßnahmen bei Kolik umfassen eine angepasste Fütterung, ausreichend Bewegung und regelmäßige Kontrollen des Allgemeinzustands. Ergänzende Kräuter oder natürliche Verdauungsunterstützungen können den Darm begleitend fördern und helfen, das Risiko für Koliken langfristig zu reduzieren.

Welche Fütterung ist sinnvoll?

Die richtige Fütterung spielt eine zentrale Rolle, um Koliken beim Pferd vorzubeugen. Angepasste Rationen mit ausreichend Raufutter, langsamer Futteraufnahme und regelmäßigen Mahlzeiten können die Verdauung begleitend unterstützen. Ergänzungsfuttermittel mit natürlichen Pflanzenstoffen können zusätzlich den Darm stabilisieren und die Verdauung sanft fördern.

Viele fragen sich: Was tun bei Kolik beim Pferd? Neben tierärztlicher Abklärung kann eine natürliche Unterstützung der Verdauung mit ausgewählten Kräutern sinnvoll sein

Können Hausmittel bei Kolik helfen?

Hausmittel bei leichter Kolik werden häufig unterstützend eingesetzt, um den Verdauungstrakt des Pferdes zu entlasten. Dazu zählen Wärme, angepasste Ruhephasen, sanfte Bewegung und pflanzliche Ergänzungen, die die Darmfunktion begleitend unterstützen können. Kräuter die wohltuend auf die Verdauung wirken wie Fenchel, Anis oder Kümmel bis der Tierarzt kommt.

Spurenelemente zur Unterstützung der Darmaktivität

Eine ausreichende Versorgung mit essenziellen Spurenelementen trägt wesentlich zur Gesundheit der Darmflora bei, da die Mikroorganismen so mit lebenswichtigen Nährstoffen versorgt werden. Auf diese Weise kann einer mikrobiellen Depression vorgebeugt werden, die häufig als Folge von Fütterungsfehlern oder hohem Rohfaser- bzw. Ligningehalt (z. B. in Stroh) auftritt und zu Anschoppungskoliken führen kann.

Neben einer optimalen Spurenelementversorgung wirken gallefördernde Maßnahmen, etwa durch den Einsatz von Bitterkräuter, unterstützend. Zusammen mit einem durchdachten Futtermanagement bilden sie die wirksamsten Ansätze, um Fehlgärungen im Darm zu vermeiden. Eine stabile Galleproduktion trägt zudem zur Regulierung des Darm-pH-Werts bei und fördert die Aktivität wichtiger Verdauungsenzyme wie Amylasen, Proteasen und Lipasen im Dünndarm.

Tatsache ist, bei Kolik Anzeichen, auch bei den kleinsten muss immer ein Tierarzt hinzugezogen werden.


FAQ Fragen & Antworten bei Pferde Kolik

1. Woran erkenne ich eine Kolik beim Pferd?

Typische Anzeichen sind: Unruhe, Scharren, häufiges Hinlegen oder Wälzen, Blicken oder Beißen zum Bauch, Appetitlosigkeit, vermehrter Puls und schnelle Atmung.


2. Was sind häufige Ursachen für Kolik beim Pferd?

Ursachen können sein: plötzliche Futterumstellungen, mangelhafte Futterqualität (z. B. verschimmeltes Heu), unzureichende Wasseraufnahme, Bewegungsmangel, Stress, hoher Parasitenbefall oder Fehlgärungen im Magen‑Darm-Bereich.


3. Ist Kolik beim Pferd immer ein Notfall?

Ja — Kolik gilt als tiermedizinischer Notfall, da sich der Zustand schnell verschlechtern kann. Bereits bei Verdacht sollte ein Tierarzt hinzugezogen werden. 


4. Wie behandelt man eine Kolik beim Pferd?

Die Behandlung hängt von der Ursache ab. Es kommen konservative Maßnahmen (z. B. krampflösende und schmerzlindernde Medikamente, Infusionen, Nasenschlundsonde) oder bei schweren Koliken chirurgische Eingriffe in Betracht.


5. Wie füttert man ein Pferd nach überstandener Kolik?

Man beginnt mit kleinen Mengen Raufutter, steuert langsam hoch und vermeidet direktes Kraftfutter. Die Fütterung erfolgt behutsam gemäß tierärztlicher Anweisungen, um den Verdauungstrakt nicht zu überfordern. 

Quelle: Martina Hemm Oktober 2024


Beitrag Wissen: Kotwasser beim Pferd welche Ursachen sind verantwortlich

Rechtlicher Hinweis:
Die Inhalte dieses Beitrags dienen ausschließlich zu Informationszwecken und ersetzen nicht die Beratung durch einen qualifizierten Tierarzt. Bei gesundheitlichen Problemen deines Tieres konsultiere bitte einen Tierarzt.