Berichte über Die Atemwege der Pferde – Aufbau, Funktion und Erkrankungen

Atemwege beim Pferd: Aufbau, Anatomie und Funktion einfach erklärt

Wie funktionieren die Atemwege beim Pferd

Kurz erklärt: Die Atemwege des Pferdes bestehen aus den oberen Atemwegen (Nüstern, Nasenhöhle, Rachen, Kehlkopf) und den unteren Atemwegen (Luftröhre, Bronchien, Lunge). Pferde atmen praktisch ausschließlich durch die Nase. In den Lungenbläschen (Alveolen) gelangt Sauerstoff ins Blut, und Kohlendioxid wird abgegeben. In Ruhe atmet ein gesundes erwachsenes Pferd etwa 8 bis 16 Mal pro Minute, im Galopp bis zu rund 140 Mal.

Pferde sind Höchstleistungssportler mit einem hochspezialisierten Atmungssystem. Es versorgt den Körper mit Sauerstoff, unterstützt die Wärmeabgabe und schützt sich selbst vor Staub, Keimen und Fremdkörpern. Wer den Aufbau und die Funktion der Atemwege kennt, versteht besser, wie sein Pferd atmet und warum Haltung, Stallklima und Belüftung so wichtig sind.

Die Atemwege des Pferdes im Überblick

Man unterteilt die Atemwege in zwei Bereiche:

  • Obere Atemwege: Nüstern, Nasenhöhle mit Nasennebenhöhlen, Rachen, Luftsäcke und Kehlkopf
  • Untere Atemwege: Luftröhre, Bronchien, Bronchiolen und Lunge mit den Lungenbläschen

Der Weg der Atemluft im Überblick:

  1. Nüstern
  2. Nasenhöhle
  3. Nasenrachenraum
  4. Kehlkopf
  5. Luftröhre
  6. Bronchien und Bronchiolen
  7. Lungenbläschen (Alveolen), dort findet der Gasaustausch statt

Obere Atemwege beim Pferd: Aufbau und Aufgaben

Nüstern und Nasenhöhle

Das Pferd ist ein obligater Nasenatmer, es atmet also praktisch nur durch die Nase. Die Luft strömt durch die beweglichen Nüstern in die Nasenhöhle. Bei Belastung weiten sich die Nüstern deutlich und senken so den Atemwiderstand. Zusätzlich besitzt das Pferd in der Nüster eine blind endende Ausstülpung, das Nasendivertikel („falsche Nüster“).

Die Nasenhöhle wird durch die Nasenscheidewand in zwei Hälften geteilt. Im Inneren liegen die Nasenmuscheln, dünne, eingerollte Knochenlamellen, die von Schleimhaut überzogen sind. Sie vergrößern die Oberfläche enorm. Hier wird die Luft gefiltert, angewärmt und befeuchtet, bevor sie weiter in die Atemwege strömt. Im hinteren Bereich der Nasenhöhle sitzt außerdem die Riechschleimhaut.

Nasennebenhöhlen

Mit der Nasenhöhle verbunden sind mehrere paarig angelegte, luftgefüllte Nasennebenhöhlen im Schädel, unter anderem die Stirnhöhle, die Kieferhöhlen und die Keilbeinhöhle. Sie verringern das Gewicht des Schädels und sind mit Schleimhaut ausgekleidet.

Rachen und Gaumensegel

Hinter der Nasenhöhle liegt der Nasenrachenraum (Nasopharynx). Das Gaumensegel trennt beim Pferd Nasen- und Maulhöhle. In Ruhe liegt der Kehldeckel über dem Gaumensegel, sodass die Atemluft auf direktem Weg von der Nase zum Kehlkopf strömt. Beim Schlucken hebt sich das Gaumensegel, und der Kehldeckel verschließt den Kehlkopfeingang. So gelangt Futter in die Speiseröhre und nicht in die Atemwege.

Luftsäcke: eine Besonderheit beim Pferd

Pferde besitzen zwei Luftsäcke (Diverticula tubae auditivae), paarige, luftgefüllte Ausstülpungen der Ohrtrompete (Eustachische Röhre). Jeder fasst mehrere hundert Milliliter Luft und mündet in den Rachen. Man geht davon aus, dass sie für den Druckausgleich zwischen Mittelohr und Rachen wichtig sind. Diskutiert wird außerdem, dass sie an der Kühlung des Blutes beteiligt sind, das zum Gehirn fließt.

Kehlkopf (Larynx)

Der Kehlkopf ist ein Knorpelgerüst aus Ringknorpel, Schildknorpel, zwei Stellknorpeln und dem Kehldeckel. Er erfüllt drei Aufgaben:

  • Steuerung des Luftstroms: Feine Kehlkopfmuskeln, gesteuert vom Nervus laryngeus recurrens, öffnen die Stimmritze beim Einatmen. Bei Belastung wird sie maximal geweitet.
  • Schutz der Atemwege: Beim Schlucken verschließt der Kehldeckel den Eingang.
  • Lautbildung: Über die Stimmfalten entstehen Wiehern und Schnauben.

Untere Atemwege beim Pferd: Aufbau und Aufgaben

Luftröhre (Trachea)

Die Luftröhre führt vom Kehlkopf in den Brustkorb. Sie ist ein flexibles Rohr von etwa 70 bis 80 cm Länge, das durch rund 50 bis 60 C-förmige Knorpelspangen offen gehalten wird. Die Innenseite ist mit einer Flimmerhärchen tragenden Schleimhaut ausgekleidet. Im Brustkorb teilt sich die Luftröhre in die beiden Hauptbronchien.

Bronchien und Bronchiolen

Die Hauptbronchien verzweigen sich immer weiter, zunächst in kleinere Bronchien und schließlich in feine Bronchiolen. Diese besitzen keinen Knorpel mehr, dafür aber glatte Muskulatur, mit der der Körper die Weite der Atemwege reguliert. So kann die Luftzufuhr an den jeweiligen Bedarf angepasst werden.

Lunge und Lungenbläschen (Alveolen)

Die Lunge besteht aus einem linken und einem rechten Lungenflügel, wobei der rechte größer ist. Am Ende der Bronchiolen liegen die Alveolen, winzige Bläschen, die von einem dichten Netz feinster Blutgefäße (Kapillaren) umgeben sind. Hier findet der eigentliche Gasaustausch statt. Die gesamte Austauschfläche ist um ein Vielfaches größer als die Körperoberfläche des Pferdes. Ein Film aus Surfactant, einer oberflächenaktiven Substanz, hält die Bläschen offen und erleichtert das Atmen.

Die Lungenkapazität eines erwachsenen Pferdes liegt je nach Größe und Gewicht bei etwa 40 bis 55 Litern.

Brustkorb, Zwerchfell und Atemmuskulatur

Die Lunge liegt im Brustkorb und ist vom Lungenfell (Pleura) umgeben. Bewegt werden die Lungen indirekt:

  • Einatmung: Das Zwerchfell und die äußeren Zwischenrippenmuskeln erweitern den Brustkorb. Es entsteht ein Unterdruck, und Luft strömt ein.
  • Ausatmung in Ruhe: Sie erfolgt weitgehend passiv durch die elastische Rückstellkraft von Lunge und Brustkorb.
  • Ausatmung bei Belastung: Zusätzlich arbeiten Bauchmuskeln und innere Zwischenrippenmuskeln mit.

Funktion der Atemwege: So atmet ein Pferd

Gasaustausch: Sauerstoff rein, Kohlendioxid raus

Die Hauptaufgabe des Atmungssystems ist der Gasaustausch. In den Alveolen diffundiert Sauerstoff aus der Atemluft ins Blut und bindet an den roten Blutfarbstoff Hämoglobin. Kohlendioxid, ein Abfallprodukt des Stoffwechsels, wird aus dem Blut in die Alveolen abgegeben und ausgeatmet.

Atemfrequenz, Atemzugvolumen und Atemminutenvolumen

  • Atemfrequenz in Ruhe: etwa 8 bis 16 Atemzüge pro Minute
  • Atemzugvolumen in Ruhe: etwa 5 bis 6 Liter pro Atemzug
  • Atemminutenvolumen in Ruhe: rund 60 bis 80 Liter Luft pro Minute
  • Bei Höchstleistung: bis zu rund 140 Atemzüge pro Minute und ein Atemminutenvolumen von bis zu etwa 1.500 Litern

So kannst du die Atemfrequenz messen: Zähle in Ruhe eine Minute lang, wie oft sich die Flanke hebt und senkt (ein Heben und Senken ist ein Atemzug).

Atmung und Galopp: die 1:1-Kopplung

Im Galopp und Kanter sind Atmung und Bewegung gekoppelt: Pro Galoppsprung erfolgt ein Atemzug. Die Atembewegung nutzt dabei die Bewegung des Rumpfes und der Eingeweide mit, was Energie spart. Im Schritt und Trab ist die Kopplung weniger streng.

Sauerstofftransport und Leistung

Damit der Sauerstoff die Muskeln erreicht, arbeiten Lunge, Herz und Blut zusammen. Bei Belastung setzt die Milz zusätzlich gespeicherte rote Blutkörperchen frei. Dadurch steigt die Sauerstofftransportkapazität des Blutes deutlich an. Das ist ein wichtiger Grund für die enorme Ausdauerleistung des Pferdes.

Schutzfunktionen: Wie schützen sich die Atemwege des Pferdes?

Pferde atmen große Luftmengen ein, und mit jedem Atemzug gelangen Staub, Pollen und Mikroorganismen in die Atemwege. Mehrere Mechanismen halten diese Belastung in Grenzen:

  • Filtern: Nasenhaare, Nasenmuscheln und Schleim fangen große Partikel ab.
  • Anwärmen und Befeuchten: Die Nasenschleimhaut bringt die Luft auf Körpertemperatur und sättigt sie mit Feuchtigkeit. Das schützt die empfindlichen tieferen Atemwege.
  • Flimmerhärchen und Schleim (mukoziliäre Reinigung): Ein dünner Schleimfilm bindet Partikel. Die Flimmerhärchen der Schleimhaut transportieren ihn in Richtung Rachen, wo er abgeschluckt oder abgehustet wird.
  • Reflexe: Husten und Schnauben befördern Fremdkörper und Schleim hinaus, der Schluckreflex verschließt beim Fressen den Kehlkopf.
  • Immunabwehr: Spezialisierte Zellen wie Fresszellen (Alveolarmakrophagen) und Antikörper in der Schleimhaut wehren Erreger ab.

Besonderheiten der Pferdeatmung im Überblick

  • Pferde sind obligate Nasenatmer. Die Nüstern bestimmen daher maßgeblich den Atemwiderstand.
  • Luftsäcke gibt es bei Pferden, aber nicht bei Menschen oder Hunden.
  • Die Atmung ist an die Fortbewegung gekoppelt, vor allem im Galopp.
  • Die Atmung trägt zur Wärmeabgabe bei, neben dem Schwitzen.
  • Die Atemleistung steigt bei Belastung um ein Vielfaches an, vom Ruhewert von etwa 60 bis 80 Litern pro Minute bis auf rund 1.500 Liter.

Warum sind gesunde Atemwege für Pferde so wichtig?

Ein leistungsfähiges Atmungssystem versorgt Muskeln und Organe mit Sauerstoff und ist damit die Basis für Ausdauer, Erholung und Wohlbefinden, bei Sportpferden genauso wie bei Freizeitpferden. Die Schleimhäute der Atemwege sind zugleich die erste Barriere gegen Staub und Keime. Ihr Zustand hängt eng mit Stallluft, Futterqualität und Bewegung zusammen.

Wenn dein Pferd hustet oder anders atmet als sonst, lies unseren Beitrag Pferd hustet: Ursachen, Hausmittel und wann zum Tierarzt.


FAQ - Häufige Fragen zu den Atemwegen beim Pferd

1. Aus welchen Teilen bestehen die Atemwege des Pferdes?

Aus den oberen Atemwegen (Nüstern, Nasenhöhle, Nasennebenhöhlen, Rachen, Luftsäcke, Kehlkopf) und den unteren Atemwegen (Luftröhre, Bronchien, Bronchiolen, Lunge mit Alveolen).


2. Wie atmet ein Pferd?

Pferde atmen praktisch ausschließlich durch die Nase. Die Luft wird in der Nasenhöhle gefiltert, angewärmt und befeuchtet und strömt über Rachen, Kehlkopf, Luftröhre und Bronchien in die Lunge. Dort findet in den Alveolen der Gasaustausch statt.


3. Sind Pferde Nasenatmer?

Ja, Pferde sind obligate Nasenatmer. Das Gaumensegel trennt Nasen- und Maulhöhle, sodass die Atemluft normalerweise nur durch die Nase strömt.


4. Wie viele Atemzüge macht ein Pferd pro Minute?

In Ruhe etwa 8 bis 16 Atemzüge pro Minute. Bei Höchstleistung im Galopp können es bis zu etwa 140 sein.


5. Wie groß ist die Lunge eines Pferdes?

Die Lungenkapazität eines erwachsenen Pferdes liegt bei etwa 40 bis 55 Litern, abhängig von Größe und Gewicht.


6. Wozu dienen die Luftsäcke beim Pferd?

Die Luftsäcke sind Ausstülpungen der Ohrtrompete. Sie dienen vermutlich dem Druckausgleich und der Kühlung des Blutes, das zum Gehirn fließt.


7. Warum atmet ein Pferd im Galopp im Takt?

Im Galopp sind Atmung und Bewegung 1:1 gekoppelt, das heißt ein Atemzug pro Galoppsprung. Das spart Energie, weil die Bewegung von Rumpf und Eingeweiden die Atmung unterstützt.


8. Wie schützen sich die Atemwege des Pferdes vor Staub und Keimen?

Durch Filterung in der Nase, Schleim und Flimmerhärchen, die Fremdstoffe Richtung Rachen transportieren, durch Husten und Schnauben sowie durch Abwehrzellen der Schleimhaut.


9. Wie messe ich die Atemfrequenz meines Pferdes?

Zähle in Ruhe eine Minute lang, wie oft sich die Flanke hebt und senkt. Jeder Atemzug besteht aus einem Heben und Senken.

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Quelle: Tierheilpraktikerin Martina Hemm Januar 2026


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Rechtlicher Hinweis:
Die Inhalte dieses Beitrags dienen ausschließlich zu Informationszwecken und ersetzen nicht die Beratung durch einen qualifizierten Tierarzt. Bei gesundheitlichen Problemen deines Tieres konsultiere bitte einen Tierarzt.